Überblick: Fahrnispfandrecht

Gegenstand Fahrnispfandrecht
Definition Oberbegriff für die 5 Fahrnis- bzw. Wertepfandrechte

  • Faustpfandrecht
  • Retentionsrecht
  • Forderungspfandrecht
  • Versatzpfand
  • Pfandbrief
Gesetzliche Grundlagen
  • Bundesrecht
    • ZGB 884 – ZGB 915
    • Pfandbriefgesetz (PfG; SR 211.423.4) vom 25.06.1930
    • Pfandbriefverordnung (PfV; RS 211.423.41) vom 23.01.1931
    • Verordnung betreffend Viehverpfändung (SR 211.423.1) vom 30.10.1917
    • SchKG 151 – SchKG 158
    • Gesetze betreffend Verpfändung von Fahrzeugen
    • Besondere Bestimmungen zu den Retentionsrechten (vide: www.retentionsrecht.ch/gesetzliche-grundlagen)
  • Kantonales Recht
    • Ausführungsbestimmungen zur Viehverpfändung (ZGB 885) in den jeweiligen kantonalen Einführungsgesetzen zum ZGB (EGzZGB)
    • Ausführungsbestimmungen über das Versatzpfand bzw. das Pfandleihgewerbe (ZGB 907 und ZGB 915) in den jeweiligen kantonalen Einführungsgesetzen zum ZGB (EGzZGB)
Gesetzesanwendung Der Gesetzgeber hat keine Allgemeinen Bestimmungen zum Fahrnispfandrecht erlassen, ganz im Gegensatz zu den Grundpfandrechten:

  • Keine analoge Anwendung der Regeln zu den Grundpfandrechten
  • Hingegen bestehen besondere Regeln für die einzelnen Pfandrechtsarten
Rechtsnatur
  • Teil des Systems der Sicherheiten
  • Fahrnispfand   =   Beschränktes dingliches Recht
    • Wertrecht
    • Verwertungsrecht
Ziele Sicherungsmöglichkeit im Geschäftsverkehr und bei der Darlehensvergabe bzw. Kreditvergabe
Motive
  • Sicherungsfunktion
  • nur bei Pfandbriefen Kapitalanlagefunktion
Verbreitung Mangels Transparenz nicht genau feststellbar. Zur Sicherung von Bankguthaben verbreitet, vor allem die Verfaustpfändung von Aktien bei Unternehmensfinanzierungen (Lombardierung, Lombardgeschäfte wie Lombardkredit
Fahrnispfandrechts-Arten
Numerus clausus Andere Pfandrechtsarten sind nicht zugelassen.
Wesen Sicherung einer Forderung (zB Darlehen, vgl. ZGB 891 Abs. 2) durch ein Pfandrecht an

  • Fahrnis, d.h. beweglichen Sachen bzw. Mobilien im Sinne von ZGB 713
    • (=   Faustpfandrecht)
  • Forderungen und andere Rechte (Rechte, die nicht Objekte eines Grundpfandrechtes sein können)
    • (=   Forderungspfandrecht)
Grenzbereiche von Fahrnispfandrecht und Grundpfandrecht Abgrenzungsfragen ergeben sich:

Funktion
  • Sicherungsfunktion
  • Kapitalanlagefunktion nur bei Pfandbrief
Verwertungsrecht Befugnis des Pfandgläubigers, bei Nichtbezahlung der gesicherten Forderung

  • das Pfandobjekt versteigern zu lassen
  • sich aus dem Erlös bezahlt zu machen [vgl. ZGB 891 Abs. 1 und ZGB 910 Abs. 1]

Der Anspruch des Pfandschuldners auf Herausgabe eines allfälligen Überschusses bei einer privaten Verwertung der Pfandsache ist vertraglicher Natur und verjährt daher gemäss OR 127 mit Ablauf von 10 Jahren (vgl. BGE 5A_924/2013)

Versteigerung Die Verwertungsart ist grundsätzliche jene der Versteigerung [vgl. SchKG 151 – SchKG 158]
Freihandverkauf Bei entsprechender Abrede ist der freihändige Verkauf des Pfandobjektes zulässig [vgl. BGE 81 III 57 f.], wobei dieser an die Stelle der SchKG-Verwertung tritt [vgl. BGE 106 Ib 101]
Persönliche Haftung
  • Der Pfandschuldner haftet trotz Fahrnispfandbestellung mit seinem sonstigen Vermögen fort
  • Der Pfandschuldner kann sich allerdings auf das Prinzip des beneficium excussionis realis berufen [vgl. SchKG 41 Abs. 1], wonach vor einer persönlichen Inanspruchnahme das Fahrnispfandrecht zu verwerten sei [vgl. BGE 110 III 6 / 7]
Detailinformationen zu den einzelnen Fahrnispfandrechten
Literatur
  • ALTORFER PETER, Die Mobiliarhypothek, Diss. Zürich 1981 (Zürcher Studien zum Privatrecht 12).
  • BAUMGARTNER MAX, Das Pfandleihgeschäft in der Schweiz, konkretisiert am Beispiel der Pfandleihkasse der Zürcher Kantonalbank, Diss. (oec. publ.) Zürich 1982.
  • BERGER BERNHARD, Registrierung von Mobiliarsicherheiten, Vorschläge zu einer Reform des Kreditsicherungsrechts, ZBJV 138/2002, S. 197 ff.
  • DUPERREX EMILE, 50 Jahre Schweizerischer Pfandbrief, Zürich 1981.
  • EIGENMANN ANTOINE, L’effectivité des sûretés mobilières, Etude critique en droit suisse au regard du droit américain et propositions législatives, Diss. Freiburg 2001 (AISUF Band 206).
  • FOEX BENEDICT, Le «numerus clausus» des droits réels en matière mobilière, Genfer Diss., Lausanne 1987.
  • FOEX BENEDICT, Sûretés bancaires et droits réels, in : Iynedjian Nicolas (Hrsg.), Sûretés et garanties bancaires, Lausanne 1997, S. 121 ff.
  • GRAHAM-SIEGENTHALER BARBARA, Mobiliarsicherheiten im internationalen Rechtsverkehr — ein Schutz vor Betrugsstraftaten? in: Ackermann Jürg-Beat (Hrsg.), Strafrecht als Herausforderung …, Zürich 1999, S. 249 ff.
  • HINDERLING HANS, Die Bedeutung des Besitzübertragung für den Rechtserwerb im Mobiliarsachenrecht, in: ZSR 89 (1970) I, S. 159 ff.
  • HUBER HANS, Die Ansprüche der Faustpfandgläubiger von Eigentümerschuldbriefen im Konkurs des Pfandeigentümers, in: ZBGR 60 (1979) S. 329 ff.
  • KAMM WERNER, Eigentum und beschränkte dingliche Rechte an Schiffen, Diss. Zürich 1980.
  • KREN KOSTKIEWICZ JOLANTA, Verwertung von Mobiliarsicherheiten- nationale und kollisionsrechtliche Aspekte, in: Wiegand Wolfgang (Hrsg.), Mobiliarsicherheiten …, Berner Bankrechtstag 1997, Bern 1998, S. 199 ff.
  • MÜHL DOROTHEE / PETEREIT WOLFGANG, in: Hadding Walther / Schneider Uwe H. (Hrsg.), Recht der Kreditsicherheiten in europäischen Ländern, Teil V: Schweiz, Berlin 1983, S. 105 ff.
  • OFTINGER KARL / BÄR ROLF, System. Teil (vor Art. 884 ZGB), N 22 ff.
  • ROTH URS PHILIPP, Pfandrechte in der Praxis der Banken, in: Wiegand Wolfgang (Hrsg.), Mobiliasicherheiten …, Berner Bankrechtstag 1998, Bern 1998, S. 137 ff.
  • STARK, Besitz, Art. 919-941 ZGB, 2. Aufl., Bern 1984.
  • ZOBL DIETER, Probleme bei der Verpfändung von Eigentümerschuldbriefen, in: ZBGR 59 (1978) S. 193 ff.
  • ZOBL DIETER, Fahrnispfand, Syst. Teil und Art. 884-887 ZGB 2. Aufl. Bern 1982.